Fürs Erste stieg ich ins ganz normale Berufsleben ein. Meine Wahl fiel auf Chemielaborantin. Naturwissenschaften interessierten mich, da ich schon immer hinter die Dinge schauen wollte und überall die Sinnfrage stellte. Nur die Erfüllung kam nicht. Da fehlte was ganz Wesentliches. So kam es, dass ich nach drei Jahren Ausbildung und knapp 3-jähriger Anstellungszeit die Zelte im Labor wieder abbrach und beschloss, das Abitur nachzuholen. Mir alle Möglichkeiten eröffnen, das schien mir sehr sinnvoll und ein Hauch von Aufbruchstimmung belebte mich und machte mich ganz kribbelig. Denn dann etwas aus meiner kreativ-musischen Ader machen, das wärs!

 

Während der Abi-Zeit organisierte ich mir ein Work&Travel-Visum für Neuseeland. Der Plan: einen Bus kaufen, durchs Land reisen und Geld verdienen, wenns nötig ist. Der Plan ging auf und ich verlebte nach dem Abiturabschluss neun sehr bereichernde und spannende Monate auf der anderen Seite unseres Planeten. Zurückgekehrt war klar, dass es kein Zurück ins alte Leben gibt. Ich hatte mich entschieden, meinen Weg zu gehen. Das bedeutete für mich über Versuch und Irrtum Schritt für Schritt voranzugehen und über Jobben und Praktika neue Wege zu finden.

 

Meine kreativ-musische Ader bekam Raum, nachdem ich über verschiedene Praktika im sozialen Bereich mit Berufsfeldern in Kontakt kam, die mir neue Perspektiven eröffneten. Kunst-, Musik-, Ergotherapie - überall ist kreatives Gestalten Thema und Herausforderungen warten. Ein Jahr in Hamburg an einer anthroposophischen Kunstakademie half mir, meine künstlerischen Fähigkeiten im Zeichnen, Plastizieren mit Ton und Aquarellmalen auszubauen. Trotz dieser nährenden Zeit, entschied ich mich gegen die Komplettausbildung und startete danach die Ausbildung zur Ergotherapeutin in München. Es zog mich doch immer wieder zurück in heimatliche Gefielde und ich wollte eine breitgefächerte Ausbildung - der Sicherheitsgedanke spielte wohl auch eine kleine Rolle dabei.

 

Die drei Jahre Ausbildung an der Ergotherapieschule waren bereichernd, voll mit viel Lernstoff und Neuem und brachten mich auch an so manche Grenze. Ich lernte mich neu kennen und es wurden viele Entwicklungsprozesse angestossen. Ich bekam einen umfassenden Überblick über körperliche Zusammenhänge, psychologische und pädagogische Konzepte und Theorien und praktische Erfahrung im professionellen Umgang mit Klienten und Klientinnen. Wichtig war bei mir die Frage nach meinen eigenen Ressourcen und wie ich in Balance bleiben kann. Woher kommt meine Kraft, um wirklich geben zu können?

 

2010 legte ich die Prüfung erfolgreich ab und es wartete schon eine Stelle in einer Ergotherapiepraxis. Ich war hochmotiviert, doch innerlich war ich ausgelaugt. Wesentlich stand die Frage nach der Kraft im Raum und die Erkenntnis war, erstmal zu pausieren. Ich arbeitete übergangsweise in einem QS-Büro einer Firma mit Bezug zur Chemielaborantin und sortierte in dieser Zeit meine ganzen Erfahrungen.